„EIN ZEICHEN DER HOFFNUNG“ –
Gedenkaktion zu den Tagen der Begegnung 2015 in der Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge
 
„Und nun ein Zeichen der Hoffnung“ – mit diesem auf Französisch, Lettisch, Englisch und Deutsch gesprochenen Satz endete die Gedenkaktion 2015, die Schüler und junge Erwachsene zum Thema „Todesmarsch“ auf dem ehemaligen Appellplatz, auf dem dieser Marsch vor 70 Jahren seinen Anfang genommen hatte, gestalteten.
70 Tauben flogen auf dieses Zeichen hin mit lauten Flügelschlägen über die Köpfe der Überlebenden Georges Petit aus Frankreich und Ryszard Kosinski aus Polen sowie aller anderen Gäste aus Belgien, Frankreich, Holland, Italien, Lettland, Polen, den USA und Deutschland, die sich zu den „Tagen der Begegnung“ eingefunden hatten.
Die Protagonisten der Gedenkaktion, die diese nach einer Idee der Gruppe der 2. Generation umgesetzt hatten, kamen auch in diesem Jahr wieder aus der Harzregion. Esther Feistauer und Toralf Nickerl, ehemalige Schüler der Berufsbildenden Schulen „Geschwister Scholl“ Halberstadt, die inzwischen studiert haben und im Arbeitsleben stehen, nahmen zum wiederholten Male am Projekt teil. Konstantin Greubel von den Halberstädter BbS „Geschwister Scholl“ dagegen engagierte sich ebenso wie die Gernröder Schüler der Sekundarschule „Hagenberg“: Lisa Witzel, Lukes Jänecke und Hendrik Münch sowie die Schüler des Blankenburger Gymnasiums „Am Thie“: Johannes W. Kelle, Tino Wils Langner, Kristian Stamm und Dominik Gerlach zum ersten Mal für dieses jährlich wiederkehrende Projekt zu unterschiedlichen Themenbereichen.
Gemeinsam hatten sich die jungen Leute zunächst mit der Geschichte des KZ Langenstein-Zwieberge und Zeitzeugenberichten von Überlebenden des Todesmarsches auseinandergesetzt und versucht zu verstehen, wie sinnlos und grausam dieser letzte Versuch der Nationalsozialisten und SS-Bewacher war, den Gefangenen ihre Würde und ihr Leben zu nehmen, um noch möglichst viele Zeugen ihrer Greueltaten zu beseitigen.
Für die szenische Darstellung des Themas stellten die Jugendlichen im Vorfeld der Aktion weiträumig über den Appellplatz verteilt Schilder auf und versahen diese mit Ortsbezeichnungen, Fotos und Entfernungsangaben. Die Schilder zeigten exemplarisch Stationen des Todesmarsches, auf den ca. 3.000 Häftlinge des KZ Langenstein-Zwieberge ohne Ziel zwischen den Fronten hin und her getrieben wurden und den nur ca. 500 von ihnen überlebten.
Am Aktionstag selbst symbolisierten die jungen Leute, jetzt unterstützt durch französische Schüler aus der Harzer Partnerregion Belfort, die Bewegung der Häftlinge zwischen einzelnen Stationen des Marsches. An jeder Station zitierten sie prägnante Textpassagen von Überlebenden und entfernten sich schließlich, in Gruppen oder einzeln, immer weiter vom Ausgangspunkt, blieben stehen, gingen weiter oder blieben gänzlich zurück. Ihre Texte wurden von Esther und Toralf aufgenommen und - durch ein Mikrophon verstärkt - als Echo der Häftlingsstimmen wiederholt. Zum Schluß kehrten alle Jugendlichen auf unterschiedlichen Wegen wieder zum Ausgangspunkt zurück, um mit einer Schweigeminute der Opfer des Todesmarsches zu gedenken.
Aber die jungen Leute richteten ihren Blick nicht ausschließlich auf die Vergangenheit, sondern nahmen auch Bezug auf ihr eigenes Leben an diesem „12. April 2015“.
Mit prägnanten Schlagworten wie „Angst“, Vertreibung“, „Terror“, „55,2 Millionen Flüchtlinge“, „Syrien“, „Gier“, „Trauer“, „Hass“ oder „Ausbeutung“ wiesen sie auf die aktuellen Probleme in unserer Welt hin. Dass dies nicht die Welt ist, in der sie leben möchten, machten sie anschließend an Begriffen wie „Toleranz“, „Gastfreundschaft“, „Brot teilen“, „Hilfe“ oder „Liebe“ fest. Mit  „Zivilcourage“, „Freundschaft“ und „Mut“ will jeder Einzelne von ihnen sich für „Freiheit“ und „Menschenrechte“ einsetzen und dafür, dass die Geschichte von Langenstein-Zwieberge nicht vergessen wird - damit die Welt von heute ein bisschen besser werde.
70 Tauben ließen junge Franzosen und Deutsche, ein lettisches Mädchen und ein amerikanischer Junge über den einstigen Appellplatz fliegen  - als Zeichen ihrer gemeinsamen Hoffnung auf eine bessere Welt.